Wiedervernässung und Seegras-Pflanzungen – Naturschutzbeispiel aus in Japan

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Axel Paulsch

Über das Wochenende zwischen den beiden COP-Verhandlungswochen hatten die Teilnehmer Gelegenheit, auf Einladung der japanischen Regierung bei Exkursionen verschieden Naturschutzprojekte kennenzulernen. Eine Exkursion führte in den Nationalpark Ise-Shima an der japanischen Pazifikküste.

Die Küste des Nationalparks der Ise-Shima Halbinsel ist kleinteilig zerklüftet, eine Vielzahl kleiner Inseln und Buchten prägt die Landschaft zwischen den bewaldeten Hügeln. Die Flachwasserbereiche in den oft nur wenige Hektar großen Buchten sind wichtige Laichgründe für die lokalen Fischbestände, da sie mit Seegras bewachsen sind, in dem die Jungfische geschützt aufwachsen können. Seit den 70er Jahren wurde ein Rückgang der Fischbestände verzeichnet, für den mehrere Gründe verantwortlich gemacht werden. Ein Grund ist die über Jahrzehnte vorgenommene Landgewinnung durch Abdämmung der kleinen Buchten. In den so entstandenen feuchten, aber nicht mehr überfluteten Bereichen konnte Reis angebaut werden. Dies hat 70% der ehemaligen Buchtbereiche zerstört. Ein zweiter Grund für den Fischrückgang ist die Überdüngung der Flachwasserbereiche, für den u.a. die Perlenzucht verantwortlich ist: die in tieferem Wasser weiter vom Ufer entfernt gezüchteten Perlmuscheln werden direkt am Rand der kleinen Buchten verarbeitet. Das bedeutet, dass die Perlen entnommen werden, der Rest der organischen Substanz der Muscheln aber wieder ins Meer gespült wird. Diese Nährstoffzufuhr führt zu jährlichen Algenblüten und zu Hypoxie, also starkem Sauerstoffverlust.Um diesen Gefahren entgegenzuwirken, wird nun versucht, durch Rückbau oder Öffnung der Dämme die Reisfelder wieder zu fluten und in Flachwasserbereiche zu verwandeln. Wissenschaftliche Untersuchungen auf einem 2ha großen Bucht-Bereich haben gezeigt, dass sich bereits sechs Monate nach der Öffnung die Zahl der Macrobenthos-Arten (Fische, Krabben etc.) verdoppelt hat und sich der natürlichen Artenzahl weiter annährt. Der Salzgehalt des Wassers in den Restaurationsflächen nähert sich ebenfalls wieder natürlichen Werten.

Durch Fortbildungsmaßnahmen werden die lokale Bevölkerung und die ortsansässigen Fischer in die Wiederanpflanzung von Seegras in die Buchten aktiv mit einbezogen. Ebenso wird mit den Perlenzuchtbetrieben über verbesserte Abwasserklärung verhandelt. Gleichzeitig versucht die Tourismusbehörde, mit den Maßnahmen für nachhaltige Produktion von Meeresfrüchten zu werben.

Der Ansatz von wissenschaftlichen Untersuchungen, Einbindung der lokalen Bevölkerung und gleichzeitiger Vermarktung der Nachhaltigkeit scheint erfolgversprechend.